Entstehung von Rheuma
Die zuvor vorgenommene Einteilung der rheumatischen Erkrankungen in 4 Hauptgruppen wird fortgeführt. Aufgrund der Vielzahl rheumatischer Erkrankungen können nur die bekanntesten Vertreter der Gruppen besprochen werden.
Entstehung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind häufig Autoimmunerkrankungen. Der Begriff Autoimmunerkrankung bedeutet, dass das Immunsystem, welches eigentlich den Körper vor Krankheiten schützen soll, sich plötzlich gegen bestimmte Bestandteile des eigenen Körpers richtet. Bei einer rheumatoiden Arthritis ist dies z. B. der Gelenkknorpel. Die Ursachen dafür sind bisher unbekannt. Es wird jedoch angenommen, dass eine erbliche Veranlagung (genetische Prädisposition) erforderlich ist, da sie das Umschlagen einer Abwehrreaktion des Immunsystems gegen einen Erreger in eine Abwehrreaktion gegen körpereigene Strukturen ermöglicht. Die rheumatoide Arthritis entsteht plötzlich und ist durch einen chronischen Verlauf gekennzeichnet. Die Autoimmunreaktion führt zu Entzündungen der Gelenke, die wiederum in einem Abbau der Gelenkstrukturen resultieren. Die Gelenke werden zunehmend zerstört.
Entstehung degenerativer Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (Arthrosen)
Eine Arthrose kann verschiedene Ursachen haben, wobei zwischen primären und sekundären Arthrosen unterschieden wird. Primäre Arthrosen entstehen aufgrund von Verschleißerscheinungen des Körpers mit zunehmendem Alter und zunehmender Belastung. Der Gelenkknorpel wird also abgenutzt und kann irgendwann seine Funktion als Stoßdämpfer und Gleitlager des Gelenks nicht mehr wahrnehmen. Sekundäre Arthrosen sind die Folge anderer Erkrankungen. Dies können beispielsweise Fehlstellungen, Erkrankungen oder Verletzungen der betroffenen Gelenke sein, aber auch hormonelle Störungen, neurologische Erkrankungen und Stoffwechselstörungen. Auch für das Auftreten einer Arthrose scheint es eine erbliche Veranlagung (genetische Prädisposition) zu geben. Eine Arthrose ist dadurch gekennzeichnet, dass der Gelenkknorpel zunächst ohne auftretende Entzündung geschädigt wird, Entzündungen können jedoch im weiteren Krankheitsverlauf auftreten.
Entstehung weichteilrheumatischer Erkrankungen (Weichteilrheuma)
Die Ursachen des lokal begrenzten Weichteilrheumatismus liegen häufig in einer Fehl- oder Überbelastung der betroffenen Strukturen. So ist beispielsweise die Tendopathie eines Tennisellbogens klar durch eine Fehlbelastung begründet. Lokal begrenzte weichteilrheumatische Erkrankungen können zudem als Begleiterkrankungen von Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis und dem systemischen Lupus erythematodes auftreten. Bei entzündlichen weichteilrheumatischen Erkrankungen ist die Ursache oft unbekannt, wenn das Auftreten nicht durch andere Krankheiten begründet ist. Wie der generalisierte Weichteilrheumatismus, die Fibromyalgie, entsteht, ist ebenfalls unbekannt. Es wird vermutet, dass Infektionen sowie schwere körperliche und seelische Belastungen die Krankheit auslösen können.
Entstehung von Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden
Der Gicht liegt in 95 % aller Fälle eine Nierenfunktionsstörung zu Grunde, die beispielsweise durch Diabetes mellitus ausgelöst werden kann. Eine weitere mögliche Ursache ist starker Alkoholkonsum. Die Osteoporose kann ebenfalls als sekundäre Erkrankung auftreten, zu 95 % liegt jedoch eine primäre Osteoporose vor. Die primäre Osteoporose entsteht entweder in jungen Jahren als Resultat einer unzureichenden Knochenbildung oder aber aus einem beschleunigten Knochenabbau in höherem Alter.
Lydia Köper